Etappenübersicht
Starttag. Begonnen wurde er mit einem Frühstück der Wahnsinnsklasse. Wir wurden im Essen förmlich erstickt. Um sich einen kleinen Eindruck vom Ausmaß des Frühstücks zu machen : 2 Platten Käse, 1 Platte Wurst, 10 Brötchen, 1 Platte Tomatenbocadillo, Kuchen, Teilchen, 3 verschiedene Pasteten, gefüllte Toastbrotröllchen, Eier mit Speck, Joghurt, Marmelade, Obst, Muffins, etc. Bei dieser Aufzählung handelt es sich nicht etwa um ein Buffet für alle Hotelgäste. Es wurde alles an unseren Tisch getragen. Uns gingen natürlich ob der Vielzahl der Köstlichkeiten die Augen über. Aber wer sollte das alles essen ? Irgendwann wurde uns dann doch etwas mulmig. Selbst die Bedienung schmunzelte schon, wenn sie wieder mit einer neuen Platte ankam und auf dem Tisch keinen Platz mehr zum Abstellen fand. Beim Auschecken bedankten wir uns daher besonders herzlich bei der Wirtin. Also das Hotel El Ciervo in Vielha können wir nur weiterempfehlen.

Tag 1

Pont de Salenques -

Refugio d´Anglos

Etappenlänge : 6km
Höhenmeter rauf :750m
Höhenmeter runter :0m

Klick mich und ich werde groß ...

Wir ließen uns noch ein Taxi rufen und fuhren zu unserem Startpunkt an die Pont de Salenques. Hier studierten wir noch einmal unsere Karte. Da wir inmitten einer Etappe begannen und nur noch 6 km bis zur Nothütte d´Anglos zu gehen hatten, überlegten wir waghalsig eventuell noch die nächste Etappe anzuhängen. Daran sieht man, wie naiv wir in diesen Pyreäneurlaub gestartet sind. In den späteren Tagen wären wir im Leben nicht mehr auf eine solche Wahnsinnsidee gekommen. Dann waren wir froh, wenn sich auf den Etappen eine Übenachtungsmöglichkeit bot.

Der Weg begann mit einem leichten Anstieg und verlief durch ein erfrischend schattenspendendes Eichenwäldchen. Neben uns rauschte ein Wildbach mit klarem Bergwasser. So zogen wir frohen Mutes unseres Weges und freuten uns an dieser idyllischen Gegend. Sogar unsrere Rucksäcke saßen wir eine eins auf unseren Rücken. Damit hatten wir nun nicht gerechnet. Meistens ist der erste Tag voll mit Zwangspausen zum Rucksackrücken.

Etwas weiter machten wir eine Pause. Für den ersten Tag hatte uns dieser Anstieg ziemlich geplättet. Es gab den ersten Müsliriegel dieses Urlaubs - ihm sollten noch Dutzende folgen. So saßen wir nun inmitten von Fichten, einem Wildbach, wilden Bergblumen und einem betörenden Panorama. Das also waren die Pyrenäen.

Wir ließen uns noch ein Weilchen von der Sonne verwöhnen und weiter ging der steile Aufstieg. Ich entwickelte erste Muskelkrampfanzeichen. Mein Körper war wohl nicht auf solche Höchstleistungen aus dem Stand eingestellt. Doch der Herr hatte ein Einsehen mit mir und gab alsbald den Blick auf die Nothütte d´Anglos frei. Sie lag oberhalb eines kleinen Bergsees, umgeben von schroffen Granitgipfeln. Der Anblick hätte sicher jeden Romantiker verzückt. Uns ging es aber schlicht um eine richtige Pause mit richtigem Essen - naja, Chinanudeln um genau zu sein. Nicht besonders lecker aber nahrhaft.

Schon nach kurzer Zeit erreichten wir eine kleine Wasserstelle im Wald. Nach einer kleinen Kostprobe dieses erfrischenden Nass entschlossen wir uns, den Inhalt unserer Wassersäcke auszutauschen. Das hier schmeckte hundert mal besser als das Leitungswasser aus dem Hotel. Frisch gestärkt und frisch beschwert (jeder von uns war nun drei Kilo schwerer) gingen wir weiter. Und es dauerte nicht lange, bis sich die drei zusätzlichen Kilo rächen sollten. Der Weg nahm nun rapide an Steigung zu. Noch immer von schattenspendenden Bäumen eingerahmt stiegen wir die nächsten zwei Kilometer eine etwa 50%ige Steigung hinauf. Als wir die Baumgrenze erreicht hatten hielten wir kurz inne um Luft zu schnappen. Der Blick war wunderbar. Man konnte ins Tal und über die hinteren Berge blicken. So wurden wir auch im weiteren GR11-Verlauf noch oft für die Mühsahlen des Aufstiegs entschädigt.

Ich hatte diese längere Pause auch echt nötig. Die Rucksäcke wogen mit Wasser sicher wieder an die 20 kg und die ungewohnte Höhe machte mir zu schaffen. Wir waren jetzt auf 2200m. Das war höher als ich je zuvor war. Mir war schwindelig und ein bisschen schlecht. Wir machten es uns also neben der Hütte bequem und kochten unsere Nudeln. Es war mittlerweile halb vier am Nachmittag. Was also mit dem Rest des Tages tun. Weitergehen hätte nochmal fast 700 Höhenmeter bedeutet und schon der Verfasser des tollen GR11-Buches "Der Weg ist das Ziel" brauchte dafür vier Stunden. Das hieß für uns mindestens sechs. Also beschlossen wir, uns einen netten Nachmittag an der Nothütte zu machen. Das gab speziell mir die Zeit, mich und meinen Körper mit der Höhe vertraut zu machen.

So saßen wir nun vor der Hütte und genossen die Landschaft. Leider musste man sich schon sehr schnell in eine winddichte Jacke packen, da es hier oben doch recht windig war. Gegen Abend trudelten dann noch zwei weitere Wanderpaare zm Übernachten ein. Die hielten sich aber ziemlich auf Distanz. Ganz anders als in Schottland, wo die Hütten zumindest von allen zum Kochen genutzt wurden. Naja, wir machten es uns schließlich in der Hütte bequem so weit es ging. Leider war das Innere der Hütte in einem erbarmungswürdigen Zustand, so daß wir irgendwo zwischen noch nicht durchgetretenen Bodendielen nächtigten.

So endete unser erster Tag auf dem GR 11.

weiter zu Tag 2 ...