Am GR 11 angekommen machten wir erstmal Pause. Ich war so erschöpft, daß ich etwas einnickte. Zur weiteren Wegplanung wollten wir nochmal einen Blick auf die Karte werfen. Aber - sie war weg. Ich hatte sie wohl bei einer meiner Kletter- und Rutscheinlagen verloren. Was für ein Tag. Trotzdem mussten wir weiter, zumindest noch bis zur Nothütte Coronas. Der Weg hatte ein weiteres Felsenfeld für uns bereit. Womit hatten wir das verdient ? Danach kam endlich wieder ein Pfad zum Vorschein. Nun waren es ja nur noch gute 3 km bergab. Allerdings waren wir von unserem unfreiwilligen Umweg so kaputt, daß selbst das zur echten Herausforderung wurde. Schritt für Schritt latschten wir den GR 11 entlang. Nur bei gelegentlichen Kurzpausen nahmen wir die Landschaft war. Die hier angeblich so reichlich vorhandenen Murmeltiere sahen wir ebenfalls nicht. Nach 3 anstatt wie beschrieben 1 Stunde erreichten wir endlich das Refugio. Dort hatte sich ein Haufen Tageswanderer versammelt, die so aussahen, als ob sie auf etwas warten würden. Wir zogen erstmal unsere Schuhe aus und kühlten die Füße im Wasser. Nach ein paar Minuten entschloss ich mich doch mal zu fragen, ob die Leute alle warteten. Und das taten sie tatsächlich. Sie warteten auf den Bus ins Tal, der um 6 Uhr kommen sollte. Es war 17:50 Uhr und wir zogen schleunigst unsere Schuhe wieder an. Eigentlich hatte wir uns schon auf eine Nacht hier an der Nothütte eingerichtet, aber so war es ja noch besser. Der Bus kam und wir saßen happy in demselbigen. Allerdings nur kurze Zeit. Die "Strasse" ins Tal war halsbrecherisch. Links neben der Straße ging es steil talwärts und der Bus war ebensobreit wie der Weg. Doch wir kamen wohlbehalten unten an und wurden von zwei sehr netten Östereichern mit zum 4 km entfernten Campingplatz Aneto mitgenommen. Der Tag war gerettet. Noch ein paar Bier und Bocadillos in der Campingplatzbar und wir schliefen wir die Engelchen.
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Etappenübersicht
Heute war unser erster "Gib-Alles""-Tag. Nach einer ruhigen Nacht und einem Chinanudelsuppen-Frühstück brachen wir auf, die Pyrenäen nun entgültig zu erobern. Wir hingen unsere Schlafsäcke zum lüften noch einmal kurz in die frische Morgenluft und gingen zur Morgentoilette an den nahegelegenen Bach. Eigentlich war das Wasser viel zu kalt für eine Körperberührung. Aber nachdem wir in der Nacht schon teilweise erbärmlich gefroren hatten, war das jetzt auch egal. Es vertrieb auf jeden Fall die Restmüdigkeit der ersten quasi Freiluftnacht. Kurz nach dem die Sonne die Nothütte erreicht hatte schulterten wir unsere Rucksäcke. Erster Abschnitt des heutigen Tages war der Collet de Riu Bueno (2600m).

Tag 2

Refugio d´Anglos -

Refugio de Coronas

Etappenlänge : 12km
Höhenmeter rauf : 750m
Höhenmeter runter : 1000m

Klick mich und ich werde groß ...

Vom Pass hatte man mal wieder einen super Blick auf den unter uns liegenden See. So stiegen wir denn wieder 200m bergab, wie gehabt über Stock und Stein. Am See angekommen suchten wir vergebens nach den Überresten eines dort abgestürzten Flugzeuges, das hier laut Reiseführer zu finden sein sollte. Doch man konnte sich in dieser Kulisse durchaus vorstellen, daß bei schlechtem Wetter die Bergfronten zu einer Todesfalle werden konnten. Weiter ging es zum zweiten Anstieg des Tages auf nunmehr 2800m zum Coll de Vallibierna. Wir umrundeten den See und stießen nach einem kleinen Stück bergab auf die Abzweigung zum Pass. Es dauerte aber nicht lange, da verloren wir die Wegmarkierung aus den Augen. Wir hatten andere Wanderer gesehen und dachten nun, sie wären auch den GR 11 gegangen. Man soll nicht denken ! Wir gingen also über ein Geröllfeld, das eine Wegmarkierung mit Steinmännchen hatte. Nach diesem Tag trauten wir im Übrigen keinem Steinmännchen mehr. Jedesmal dachte ich an diesen Tag. Naja, wir kamen an einen wunderschönen Bergesee und wähnten uns schon am Ziel. Trotzdem warfen wir nocheinmal einen Blick in die Karte. Irgendwie stimmte unsere Position nicht so ganz. Gott sei Dank kamen uns zwei französische Wanderer entgegen, die wir nach dem Weg fragten. Natürlich waren wir total falsch. Dort wo wir die Zeichen verloren hatten - welch Wunder - waren wir genau in die entgegengesetzte Richtung abgebogen. Aber zurück ? Nein, bitte nicht. Obwohl es die einfachere Variante gewesen wäre. Die Franzosen erkärten uns, wir könnten auch links um den Berg herum gehen und dann wieder rechterhand auf den GR 11 stoßen. Wir beschlossen es so zu versuchen.

Die ersten Höhenmeter waren leicht zu gehen. Sie schlängelten sich durch Wiesen und um kleine Bergseen herum. Einzig nervig waren die Mückenschwärme, die sich am Rande der Seen tummelten. Als wir das erste Schneefeld überquerten, ließen sie jedoch schnell von uns ab. In der Waagerechten sind diese Schneefelder ja schon rutschig genug. Aber wir sahen vor uns natürlich das senkrechte nächste Schneefeld liegen. Und da waren Fußspuren und oberhalb konnte man schon das nächste rot-weiße Zeichen erspähen. Na toll, also rauf da. Wie in alten Skifahrertagen kanteten wir uns also seitlich in den Schnee und überwanden dieses Hindernis ohne Absturz. Jetzt ging es "nur" noch steil bergauf. Auf dem Collet angekommen hatte man einen wunderschönen Blick auf die umliegenden Berggipfel, die in der Morgensonne schimmerten. Außerdem hatte man einen sehr schönen Ausblick auf das Hochtal , aus dem wir gekommen waren und die kleinen Seen. Nach einem zweiten Frühstück mit Müsliriegeln ging es weiter zum Lago Cap de Llauset.

Mit einem etwas mulmigen Gefühl machten wir uns auf den Weg. Auf unserer Karte war dort, wo wir langgehen sollten kein Weg eingezeichnet. Es war eher der Mut der Verzweiflung, der uns weitertrieb. Wir kletterten bergauf und kamen an die Stelle, an der wir rechts abknicken mussten, um wieder auf den GR 11 zu kommen. Vor uns lag aber nur eine einzigen Wüste aus Felsbrocken. Eine Gemse hätte ihre Freude daran gehabt. Wir aber weniger. Immerhin schienen Steinmännchen hier einen Weg zu weisen. Oder zumindest war es ein Zeichen, daß hier schon mal Menschen gegangen waren. Irgendwann, als wir begannen uns auch schon wie Berggemsen zu fühlen, rissen die Steinmännchen ab und es ging einfach nur runter. Wir konnten den GR 11 zwar schon sehen, aber zwischen ihm und uns lagen noch Welten. Die Stimmung ging dem Nullpunkt entgegen. Angst paarte sich mit Verzweiflung. Aber was sollten wir machen. Wir rutschten und kletterten, zum Teil auf dem Hosenboden, unserem Ziel entgegen. Kurz vor dem Ende hörte ich nur einen kurzen Schrei. André war in einer kleinen Felsspalte umgeknickt. Nicht auch noch das. Ich spielte im Kopf schon durch, wie ich allein ins Tal käme, um die Bergrettung zu alarmieren. Handyempfang gab es nämlich hier keinen. Wie übrigens fast überall in den Bergen wo wir wanderten. Doch nach wenigen Minuten konnten wir weitergehen. Hoffentlich war es nicht so schlimm.