Noch war es leer im Refugio und wir nutzen dies zum duschen bevor sich später Schlangen müder und dreckiger Wanderer bildeten. Danach gönnten wir uns eine Flasche "Los Refugios del Pirineos" auf der Wiese. Mit Blick durch das Tal auf das Maladeta-Massiv ließen wir die Seele baumeln. Plötzlich hörten wir Hufgetrappel. Da kam doch tatsächlich ein Pferd aus dem Keller des Refugios. Das Rätsel um den Nachschubtransport zur Hütte war damit wohl gelöst. Einen kleinen Hau hatte dieses niedliche Pferdchen aber doch. Den Rest des Tages stand es mit dem Kopf im Klomief. Und das nicht zu knapp. Die sanitären Einrichtungen auf den Hütten sind doch sehr gewöhnungsbedürftig.

Jetzt trudelten zunehmend mehr Wanderer auf der Hütte ein. Bis zum Abendessen um 19:30 hatte sich eine stattliche Anzahl eingefunden. Somit glich die Essensausgabe auch der einer Jugenherberge. Es gab Brot, Linseneintopf (wie sinnvoll mit 30 Mann Schlafsäälen - Anmerkung des Autors), Suppe und Bratwurst mit Gemüseklecks. Nach diesem minimalistischen Mal begaben wir uns wieder auf die Terasse vor dem Refugio. Hier hatten am Nachmittag noch drei Hunde übermütig herumgetollt. Jetzt lagen sie wie Bettvorleger erschöpft inmitten unzähliger Rucksäcke und Wanderschuhe auf dem Boden. Zwischenzeitlich war auch noch eine größere Gruppe Deutscher eingetroffen, die wir in den folgenden Wochen mehrfach wiedertrafen. Sie flogen sogar am gleichen Tag mit uns von Bilbao zurück.

Wir genossen noch ein wenig die Atmosphäre zwischen Wanderern aus aller Herren Länder und schlichen uns später in unsrere Schlafkojen. Diesmal brauchten wir etwas länger zum Einschlafen, da dauernd etwas quietschte, knarzte oder jemand schnarchte. Schließlich übermannte uns der Schlaf aber doch.

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Etappenübersicht
Nach einem Tag Ruhe brachen wir heute wieder auf. Da wir uns noch eine Schonetappe verordnet hatte, ging der Weg bis zum Refugio de Estos. Wie es schien war uns das schon zuviel der Schonung. Wir waren noch keine 500m gegangen und hatten uns in der Wolle. Wutentbrannt flogen Wanderbuch und Karte in das Gestrüpp am Wegrand. So setzten wir den Weg erstmal mit gebührendem Respektsabstand fort. Jedoch legte sich die eisige Stimmung recht schnell wieder und wir genossen gemeinsam den Weg.

Zu unserer Freude verlief der GR 11 die meiste Zeit auf einer Forststraße. Das ließ uns unseren immer noch vorhandenen Muskelkater und Andrés lädierten Knöchel nicht so sehr spüren. Die Landschaft war hier sehr sanft und grün. So schlenderten wir förmlich den gemäßigten Anstieg ins Tal entlang.

Tag 4

Camping Aneto -

Refugio de Estos

Etappenlänge : 9km
Höhenmeter rauf : 650m
Höhenmeter runter : 0m

Klick mich und ich werde groß ...

In einem besonders schönen Talabschnitt pausierten wir dann an einem Bach. Nix wie Schuhe aus und rein mit den Füßen und das kühle Nass. ...Und nix wie raus aus dem kühlen Nass ! War das kalt. Wir beschlossen mit Andrés Superuhr mal die Wassertemperatur zu bestimmen. 10,4°C. Das war definitiv zu kalt für ein längeres Fußbad. Diese Temperatur reichte aus, um jedes Körperteil innerhalb von 30s in einen tiefkühlähnlichen Zustand zu versetzen. Der verstauchte Knöchel war allerdings sehr dankbar dafür. Nach einem Snack und einem kurzen Sonnenbad gingen wir weiter. Der Weg wurde hier zum Pfad und stieg steiler an. Er wurde gesäumt von üppigen Wildblumenwiesen mit massig Schwertlilien. Wunderschön. Und überall surrte und zirpte es. Das war ja auch kein Wunder in diesem Schlaraffenland für Kleingetier.

Da es außer gucken heute keinen großen Herausforderungen gab, lief unsere Phantasie auf Hochtouren. Vor zwei Tagen waren wir inmitten der Gerölls zur Ablenkung auf die dämliche Idee gekommen, uns je nach Natur des Tages Namen berühmter Pärchen zu geben. Damals war es der Barney und Betty Geröllheimer Tag. Heute konnte man wohl den Heidi und Ziegenpeter Tag ausrufen. Schon nach kurzer Wegstrecke öffnete sich das Tal und man konnte sich hier durchaus Heidi und Peter vorstellen. In der Ferne erklang das Läuten von Kuhglocken und die Almen waren umrahmt von Tannenwäldchen.

Gegen 16 Uhr erreichten wir das Refugio de Estos. An der Rezeption machten wir die sehr erfreuliche Erfahrung einer englischsprechenden Spanierin. Das ist ja durchaus noch eine Seltenheit in diesen Breiten. Wir wurden in das Prozedere in der Hütte eingewiesen, da wir nie zuvor in einem Refugio übernachtet hatten. Wir bekamen einen Schlüssel für einen Spind, mit dem wir allerdings nicht so viel anzufangen wussten. Der Spind war zu klein für den Rucksack, also was da rein schließen ? Die Nummer des Spindes war auch gleichzeitig unsere Bettnummer. Wir hatten leider die Betten im untersten der drei Stockwerke des Etagenbettes erwischt. Das war insofern beängstigend, da die Konstruktion der Betten nicht eben stabil wirkte. Naja, es ging dann doch irgendwie und wir haben überlebt.

Wanderschuhe sind in den Refugios verboten. Daher gab es im Eingangsflur ein großes Stahlregal voll mit blau-weißen Badelatschen aller Größen zum Tausch gegen die verstaubten Wanderschuhe. Lediglich das Auffinden zweier Badelatschen der gleichen Größe gestaltete sich etwas schwierig.