In Bielsa fanden wir schnell eine nette kleine Pension. Völlig fertig fielen wir auf das einladend weiche Bett. Ich war relativ schnell wieder auf dem Damm, aber Andre schien wir festgebacken auf dem Bett. Der Hunger trieb ihn aber dann doch noch raus. Im Restaurant Paco speisten wir fürstlich. Es war mit Abstand das beste Essen unserer Reise. Wir füllten unsere Bäuche mit Kaninchen, Entrecote, Tortilla und 2 Flaschem leckerem Vino Tinto. Zur Abrundung des gelungenen Abends lernetn wir noch ein sehr nettes Ehepaar aus Holland kennen mit dem wir uns unterhielten, bis der Kellner uns aus dem schon menschenleeren Laden schmiss. Nachdem wir uns verabschiedet hatten zog es nur noch ins Bett.
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Etappenübersicht
Aufbruch um 9 Uhr nach einem anständigen Frühstück. Es gab mal leckeren Toast mit Marmelade und dazu Kaffee. Das konnten wir auch gut brauchen, denn wir hatten heute noch einiges vor. Vor uns lag mit 20km die längste Etappe unserer Reise. Als wir starteten, war es noch richtig kühl. Wir gingen an einer Straße entlang, bis der Weg rechts abbog und sogleich anstieg. Trotzdem blieb er angenehm zu gehen. Schon nach kurzer Zeit erreichte die Sonne unseren Weg und schon floss der erste Schweiß des Tages in Strömen. Der Forstweg zog sich in Serpentinen den Berg hoch, doch der GR 11 kürzte immer wieder ab und führte steil bergauf. Schnell stellten wir fest, daß es kräftemäßig schonender war, dem Forstweg zu folgen. Es war zwar die längere Strecke, aber weit weniger anstrengend. Nach etwa einer Stunde machten wir Pause. Sofort umschloss uns eine Wolke aus Fliegen. Verwechselten die uns mit einem Kuhfladen ? Naja, zugegeben - der Geruch kam schon hin, eine gelungene Mischung aus Sonnenmilch, Schweiß und muffigen Klamotten. Als der frische Schweiß abgetrocknet war, waren auch die Fliegen weg.

Tag 6

Camping Forcallo -

Bielsa

Etappenlänge : 20km
Höhenmeter rauf : 750m
Höhenmeter runter : 1300m

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Als wir den Bergrücken erreicht hatten, freuten wir uns schon auf den Abstieg. Doch weit gefehlt. Trotzdem hatte man von hier einen grandiosen Ausblick auf die Gipfel der Pyrenäen. Wir verschnauften kurz und gingen weiter. Der Weg führte durch ein riesiges Geröllfeld aus Eisenstein. Es sah faszinierend aus. Dieser Kontrast aus rostrot und grün. Auf der gegenüberliegenden Seite des Tales war das Gestein schon wieder gewohnt grau. Selten kann man so deutlich die unerschiedlichen Gesteinsplatten ausmachen, die diese Gebrige gebildet haben. Man sieht die Geschichte der Welt.

An der Nothütte auf dem Paso des Caballos machten wir Mittagspause. Aufgrund der langen Strecke heute hatten wir beschlossen zu kochen. Draussen pfiff uns ein strammer Wind um die Ohren. Doch in der Hütte gab es sogar einen Tisch auf dem wir kochen konnten. Es war auch die erste Hütte mit Feuerstelle. Irgendein netter Mensch hatte vorsorglich für ankommende Schlechtwetterflüchtlinge gespaltenes Holz hinterlassen. Allerdings war das auch das einzig einladende an dieser Hütte. Zum Essen setzten wir uns daher wieder nach draussen. Mir wurde schon nach kurzer Zeit schlecht. Es war wohl eine Mischung aus Wassermangel und zuviel Sonne. Hier oben knallte die Sonne erbarmungslos und man spürte sie kaum, da der Wind dauernd kühlte. Ich trank eine Extraportion Wasser und bald erholte ich mich gottlob.

Der Weg fiel nun erstmal etwas ab und wir kamen wieder in schattigere Gefilde. Ein sehr schöner Wildbach-Wasserfall kreuzte unseren Weg. Lange Zeit hatten wir aber nicht uns am Schatten zu freuen. Es ging in Serpentinen bergauf, bis wir zu einer kleinen Hütte kamen. Hier endete der Forstweg und der GR 11 nahm seine alte Pfadform wieder an. Durch einen kleinen Nadelwald führte der Weg dem Gipfel entgegen. Die Vegetation erinnerte einen an das Mittelmeer. Harzduft strömte durch unsere Nasen. Als der Weg über einen Bach führte machten wir nocheinmal Pause. Das Gestein in diesem Tal war sehr eisenhaltig, so das die Steine wie verrostet aussahen. Kleinere Pfützen waren gefüllt mit rostrotem Wasser. Dieser Anblick erinnerte mich an unsrere Wanderung in den Cuillin Hills auf der Isle of Skye in Schottland. Dort zogen sich auch rote Bäche durch die saftig grünen Wiesen. Später am Abend erfuhren wir übrigens, das hier früher sogar Eisenminen betrieben wurden.

Als wir weitergingen war als erstes ein Geröllfeld zu überwinden, in dem sich der Weg steil abwärts zog. Weiter unten stieß er dann auf die Forststraße, die auch oben in der Nähe der Hütte vorbei führt. Ab hier war dann eher stumpfsinniges einen-Fuß-vor-den-anderen-setzen angesagt. Ganze 8 km lang. Die Sonne wurde immer heißer je weiter wir ins Tal kamen. Landschaftlich war auch nicht viel zu bewundern, mit dem wir uns hätten ablenken können. Außer vielleicht einem kleinen Elekrizitätswerk, das an der Strecke lag. Die Füße liefen langsam heiß und wir begannen, nach den Autos Ausschau zu halten, die hier häufiger lang fahren sollten. Fehlanzeige. Heute war ja auch Sonntag. Das einzige Auto, das wir trafen und das auch noch bergab fuhr hatten sich die zwei Schweizer unter den Nagel gerissen, die uns schon seit dem Refugio d`Estos immer wieder begegneten.

Mühsam rückte das Tal und die rettende Teerstraße näher. Als wir den ersten Blick erhaschen konnten drehten wir nochmal richtig auf. Dort unten versprach unsere persönliche kleine Tour der Leiden ein Ende zu nehmen. Unten angekommen mussten wir leider bald feststellen, daß der erhoffte rege Autoverkehr auch hier nicht existent war. Die heutige Etappe sollte eigentlich nach gut 17 km in Parzan enden. Wir wollten jedoch weiter nach Bielsa, da wir dort einen Pausentag einlegen wollten. Also lagen noch gute 4,5 km vor uns und wir wollten und konnten nicht mehr laufen. Doch ohne Auto kein trampen.

Nach etwa 1,5 km kamen wir in Parzan an eine Tankstelle mit Supermarkt. Die 1,5l Limoflasche überlebte ca 10 min. Es ging nur noch um Energietanken. Nach einer kurzen Verschnaufpause liefen wir weiter die Straße nach Bielsa entlang. Wir hatten mittlerweile einen Trance ähnlichen Zustand erreicht und nichts tat mehr weh. Das Trampen hatten wir aufgegeben. Andre streckte nochmal halbherzig seinen Daumen aus und - oh Wunder - ein Auto hielt an. 2 km vor dem Ziel wurden wir doch noch erhört.