Klick mich und ich werde groß ...
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Klick mich und ich werde groß ...
An der Fuen Blanca gab es ein kleines Wasserbecken und ein schattiges Plätzchen zum ausruhen. Ich war mittlerweile so erschöpft, daß ich eigentlich nur hier bleiben wollte. Bis zum Refugio de Goriz waren es nochmal 800 Höhenmeter und mindestens 2-3 Stunden Wegstrecke. Jetzt war guter Rat teuer. Erschöpft durch die Berge klettern ist lebensgefährlich. Doch dort über Nacht bleiben wollten wir dann doch nicht. Das Höhenprofil sah bewältigbar aus, und so entschieden wir uns noch bis zum Refugio weiterzugehen. Hätten wir uns lieber mal das genauere Höhenprofil der Karte angeschaut. Es war ein ewiger Wechsel aus steilen Kletterabschnitten und flachen Gehstrecken. Na wunderbar. Unter Auferbietung meiner letzten Kraftreserven begannen wir den weiteren Weg. Einzig an Kletterstellen, an denen man sich hochziehen konnte, hatte ich gute Karten. Meine Arme hatten noch genug Kraft. Aber dort, wo man sich mit den Beinen abdrücken musste, war ich auf Andrés Anschubhilfe angewiesen. Nach zwei "Ich kann nicht mehr" - "Doch du musst"-Unterbrechungen erreichten wir platt wie die Flundern den Collado d´Arrablo. Jetzt hatten wir es fast geschafft. Der folgende Weg war fast eben und ließ sich angenehm gehen. Wir zogen nocheinmal das Tempo an um noch vor halb zehn das Refugio zu erreichen. Unterwegs begegnete uns noch eine Schafherde, die aus hunderten von Tieren bestand. Das blöken der Schafe wurde je näher wir dem Refugio kamen abgelöst von einem riesigen Stimmengewirr. Als wir die letzte Biegung passiert hatten sahen wir rund um das Refugio nahezu hundert Zelte und noch mehr Leute. Hier durfte man außerhalb des Refugio über Nacht zelten. Am nächsten Morgen mussten die Zelte jedoch wieder abgebaut werden. Es war 21:20 Uhr. Dieser menschliche Ameisenhaufen überforderte mich. So erschöpft wie ich war tapste ich nicht ganz bei Sinnen in das Refugio um noch etwas Wein und Wasser zu besorgen. Wir bauten unser Zelt auf und konnten uns nun zum ersten Mal entspannen. Wir waren da. 14 Stunden, 14 km, 3000 Höhenmeter. Mit dem Blick auf das Tal, einem Glas Rotwein in der Hand waren wir einfach nur rundum glücklich.
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Etappenübersicht
Nachdem wir gestern die langweiligste Etappe absolviert hatten, kam heute wohl die Anspruchsvollste. Zumindest ich musste an meine äußersten Grenzen gehen. Zu Beginn der Etappe erwartete uns der steilste Anstieg der bisherigen Tour. Etwa 1200 Höhenmeter auf gerade mal 3 km gestaucht. Das wäre allein ja schon anstrengend genug gewesen. Leider paarte sich diese Schwierigkeit mit einigen Klettereinlagen. Im Reiseführer sah man diesen Umstand sehr locker. Die Wegbeschreibung sprach von einem kleinen Abschnitt mit leichten Klettereinlagen. Weiter oben sollte sich der Weg dann über Wiesen und Gestein ziehen. Naja. Es waren mehrere kleine Abschnitte mit Klettereinlagen und gegen Ende war eigentlich kein Weg mehr zu erkennen. Es ging steile Felsen entlang oder über glatte Felsplatten, die zudem noch durch kleines Geröll richtig schön rutschig wurden. Wandte man den Blick aus Versehen mal berab sah man schlichte steil abstürzende Tiefe. Für mich ein absoluter Alptraum. Gott sei Dank wussten wir das noch nicht als wir mit dem Aufstieg begannen.

Tag 9

Circo de Pineta -

Refugio de Goriz

Etappenlänge : 14km
Höhenmeter rauf : 1950m
Höhenmeter runter : 1050m

Klick mich und ich werde groß ...

Und es war grandios. Der mit Abstand schönste Ausblick unserer Reise umgab uns. Man konnte auf ein Tal hinabblicken, das von schroffen Felsformationen eingeschlossen war, die steil abfielen. Darüber erstreckte sich eine weite grüne Hochebene. Hier war nach 5 Stunden Zeit für eine Pause. Ich musste mich etwas von den Aufregungen erholen und genoß umso mehr diese unglaubliche Natur.

Von hier aus gab es zwei Wegvarianten. Eine führte etwa auf gleicher Höhe auf dem Pass entlang. Nachdem aber schon der Reiseführer Stahlseile zur Sicherung angekündigt hatte kam dieser Weg für mich ganz und garnicht mehr in Frage. Die zweite Variante führte in das Tal des Rio Vellos und stieg dann ein weiteres Mal an bis zum Collado d´Arrablo, wo die beiden Wege sich wieder vereinten. Das war unser Weg. Der Abstieg ins Tal war nicht besonders schwer, allerdings machten sich die schlappen Beine bemerkbar. Am Rio Vellos füllten wir unsere Wasservorräte auf und liefen weiter bis zur Fuen Blanca, einem sehenswürdigen Wasserfall. Naja, ich fand ihn nicht sonderlich spektakulär. Auf dem Weg hinab hatte ich eher fasziniert einen Wiesenabschnitt mit Edelweiß bewundert. Ich hatte zuvor noch nie ein wildlebendes Exemplar gesehen. Und hier war gleich eine ganze Wiese voll. Leider täuschte auch das nicht über die zunehmend schwinden Kräfte hinweg. Ich begann mehr und mehr zu stolpern und umzuknicken. Es war jetzt schon 5 Uhr nachmittags, d.h. wir waren seit knapp 10 Stunden unterwegs inklusive nun ca. 2000 Höhenmetern.

Der Aufstieg begann zwar steil, aber auf einem gut sichtbaren Pfad durch Wald. Hier war es in erster Linie eine Konditionsfrage. Als wir den Wald verließen zog sich der Weg erstmal nur noch mit leichter Steigung parallel zur Bergwand. Als wir den besagten Wiesenabschnitt erreichten begann der zweite heftig steile Anstieg. Der Pfad war tief in die Wiese ausgetreten und extrem rutschig durch Mengen sandigen Gerölls. Es ging fast nur noch in Gänsefüßchen voran. Mittlerweile waren schon gut 3 Stunden Aufstieg vergangen. Die Kräfte ließen so langsam nach. Und ich musste mich ab hier zwingen nicht mehr talwärts zu schauen. Man hatte fast den Eindruck von einem Turm hinabzuschauen. Ich bekam zunehmend ein beklemmendes Gefühl und die Angst abzurutschen wuchs mit jedem Höhenmeter. Leider hatten wir auch etwas wenig Wasser dabei. Ich war zwar mit meinen vollen 3 Litern gestartet, doch auch in meinem Wassersack breitete sich Dürre aus. Kurz nach Beginn des felsigen Abschnitts entdeckten wir ein kleines Rinnsal am Rande des Pfades. Mit Hilfe unserer Wassertassen schöpften wir geduldig etwas des lauwarmen Nass ab. Besser als eine trockene Kehle war es allemal. Doch ab hier begann für mich der Horrortrip. Es war einfach nur noch rutschig und der Gedanke an einen Absturz ließ mich in Panik verfallen. Wanderer, die uns entgegen kamen, erlebten das wohl sehr viel lässiger. Ich wußte an diesem Punkt aber schon, daß es kein Zurück mehr gab. Mit dem Blick in den Abgrund hätte ich in keinem Falle wieder absteigen können. Also weiter. André Kletterhallenerfahrung half uns hier enorm weiter. Er leitet mich an, wo ich Hände und Füße plazieren musste. Mit meiner durch einen Tränenschleier getrübten Sicht wäre ich ohne ihn aufgeschmissen gewesen. Überraschender Weise hatten wir schon nach Kurzem den Collado d`Anisclo erreicht. Hier stimmten entweder die Höhenangaben der Karte nicht oder unser Höhenmesser ging um 200m falsch. Mir war eigentlich auch egal. Wir waren oben.